Sam Hobbins, Drummer der Grunge/Punk-Band
Sam Hobbins, Drummer der Grunge/Punk-Band "Hands Off Gretel" aus UK. Foto: Gary Trueman Photography

Ein neuer Monat, ein neues Interview! Über meinen heutigen Interview-Partner freue ich mich ganz besonders. Ich habe mich mit Sam Hobbins unterhalten – Drummer der UK-Grunge/Punk-Band „Hands Off Gretel“. Sam ist ein feiner Kerl und wenn er mit seiner Band wieder nach Deutschland kommt, sollte sich jeder mal eine Hands Off Gretel-Show angucken. Was Lauren Tate (Voc & Git.), Becky Baldwin (Bass), Sean Bon (Git.) und Sam (Drums) da im Jahre 2015 in Barnsley (South Yorkshire) auf die Beine gestellt haben, funktioniert live genau so gut wie auf Platte.

DAB: Hi Sam, ich hoffe dir geht´s soweit gut und du bist immer noch gesund. Ich gehe mal davon aus, dass ihr mit Hands off Gretel auch vom Kontaktverbot betroffen seid und wohl aktuell auch nicht proben könnt oder? Wie sieht deine Übungsroutine zu Hause aus? Ich habe gesehen, dass du bei dir ein E-Drumset stehen hast, wie oft übst du an dem Set?

Sam: Ja, diese ganze Situation ist für uns alle irgendwie Kacke! Meine Übungsroutine bestand hauptsächlich aus schlechtem Essen und Netflix, aber ich springe ab und zu auf das Übungskit, um mich etwas in Form zu halten.

DAB: Welches E-Drumset hast du zu Hause und warum? Und viel wichtiger, bist du damit zufrieden?

Sam: Ich habe ein Alesis-Surge-Mesh-Kit. Mein Hauptgrund für den Kauf war mein Budget, um ehrlich zu sein. Ich hatte nicht das Geld, um mir ein schönes Roland-Kit zu kaufen, und dies schien ein guter Kompromiss zu sein, mit den Mesh-Heads und so. Die Sounds sind auch nicht schlecht und es reicht allemal aus, um den Job zu machen.

DAB: Übst du zu Hause Rudiments und andere abgefahrene Chops oder spielst du nur ein paar Songs, um nicht einzurosten?

Sam: Ich spiele hauptsächlich zu Platten, so Playalong-mäßig, hab das eigentlich immer so gemacht. Wenn es irgendwelche krassen Fills gibt, spiele ich den Song langsamer und übe sie als Rudiments. Ich spiele hauptsächlich mit Tripletts herum, wenn mir zu Hause langweilg ist. Das Bonham-Triplett ist dabei wohl das coolste aller Drum-Fills.

DAB: Hattest du früher mal Unterricht oder hast du dir alles selbst beigebracht?

Sam: Ich hatte noch nie Schlagzeugunterricht, also habe ich mir wahrscheinlich viele schlechte Gewohnheiten angeeignet. Aber viele Schlagzeuger, zu denen ich aufschaue, hatten auch nie Unterricht. Das gibt den Leuten dann irgendwie auch ihren eigenen Stil, an dem sie wiedererkannt werden.

Als Gitarrist „just for fun“ angefangen Schlagzeug zu spielen und dabei geblieben.

DAB: Und wann hast du dann damals angefangen Schlagzeug zu spielen und was war der Grund dafür?

Sam: Ich hab als Gitarrist angefangen Schlagzeug zu spielen. In meiner ersten Band hatten wir mal eine Pause während der Probe und ich hab mich dann einfach aus Spaß und Bock hinters Schlagzeug gesetzt, lernte meinen ersten Beat und liebte das Gefühl und die Kraft die es der Musik verleiht. In einer Band steuert der Drummer im Wesentlichen die Dynamik und die Höhen und Tiefen der Songs mit seinen Armen und Beinen. Ich beschloss dann irgendwann, mir für zu Hause ein E-Drumset zu besorgen, damit ich üben und besser werden konnte. Ich lernte ziemlich schnell, da meine Kumpels zu der Zeit einen Schlagzeuger für ihre Band brauchten, aber keinen fanden, also lernte ich, wie man spielt, um mich ihnen anschließen zu können.

DAB: Okay, du bist also eigentlich Gitarrist, ja? Spielst du auch noch Gitarre in einer zweiten Band?

Sam: Ja, ich bin seit 20 Jahren Gitarrist und sehe das auch immer noch als mein Haupt-Instrument an. Ich spiele auch noch Bass nebenbei. Ich habe bei Hands Off Gretel und früheren Bands auch Schlagzeug, Bass und Gitarre selbst aufgenommen. Es hilft bei der Strukturierung von Songs, verschiedene Instrumente spielen zu können, da man ein besseres Gefühl dafür bekommt, wie die verschiedenen Parts zueinander passen könnten.

DAB: Wie sieht der Songwriting-Prozess bei Hands Off Gretel aus? In welcher Art bist du da beteiligt? Spielst du einfach zu den Ideen, die die anderen Bandmitglieder mitbringen oder kannst du auch selbst deine Songideen mit einbringen?

Sam: Lauren ist die Songwriterin in der Band und bringt die Ideen normalerweise als fertige Demos mit. Für die 2 Alben, die wir gemacht haben, habe ich mich anschließend hingesetzt und habe die Drums soweit umprogrammiert, dass es allen Bandmitgliedern gefällt und wie es zu den Songs passt. Besser kriegt man es für gewöhnlich mit Drum-Loops vorher nicht hin. Danach habe ich den Bass eingespielt, damit er zu den Drums passt. Becky ist dann natürlich dabei und bringt ihre Spielweise mit ein.

Zuletzt habe ich mich dann nur noch auf das Schlagzeug konzentriert. Wir alle schicken unsere aufgenommenen Parts hin und her, bis wir alle damit zufrieden sind. Manche Parts sind auch durch Jammen im Proberaum entstanden, aber das ist eher die Ausnahme.

Nach dem 2019 veröffentlichten Album „I want the whole World“ kam kürzlich „The Angry EP“ als Nachfolger.

DAB: Was für ein Kit spielst du auf der Bühne? Gib uns doch mal einen kleinen Gear-Rundown. Nimmst du beispielsweise deine Drum-Mikros selbst mit oder nimmst du die Mikros aus der Location? Triggerst du live?

Sam: Mein aktuelles Kit ist ein Gretsch-Renown. Ich hab die Tiefen grad nicht im Kopf aber die Shells sind 22“, 12“, 16“ plus eine 14“x5“ Pearl Free Floating Snare und eine 14“x6“ Pork Pie Acryl Pig Lite als Backup. Ich spiele Stagg-Becken, ein DW5000-Kickpedal und DW- und Mapex-Hardware. Wir nutzen eigentlich nur die Mikros von den Locations vor Ort und ich habe noch nie Trigger verwendet. Felle spiele ich derzeit Remo-Emperors oben, Ambassadors unten und Controlled Sound X für die Snare. Ich spiele aber gerne mit verschiedenen Fellen herum und ändere die oft. Ich spiele 5A Custom-Sticks von der London Drumstick Company allerdings sind die etwas länger als normale 5A´s.

DAB: Nimmst du dein eigenes Kit mit auf Tour oder spielst du die Sets, die in der Location bereitgestellt werden? Hast du vielleicht sogar ein extra Tourkit?

Sam: Ich habe momentan nur ein Kit, mit dem ich auch toure. Früher hatte ich noch ein altes Pearl-Export, das hab ich immer mitgenommen, wenn wir Shows mit mehr als 3 anderen Bands gespielt haben. Ich bin normalerweise ziemlich cool was Support-Bands angeht, die meinen Kram mitbenutzen. Aber ich bin schon öfter auf Leute gestoßen, die keinen Respekt vor der Ausrüstung anderer hatten. Und wenn du dein zeug selbst ersetzen musst, weil andere nicht gut damit umgehen, überlegst du dir irgendwann zweimal, ob du deine Sachen noch mitbenutzen lässt.

Ich nehme jetzt einfach mein Gretsch mit und die anderen Bands müssen dann halt ihre eigene Hardware mitbringen, damit ist dann alles cool. Hauskits benutze ich nur auf Festivals, weil die da meist schon stehen. Aber ich habe schon auf zu vielen Rumsbuden gespielt, die fast auseinandergefallen sind. Da gehe ich lieber auf Nummer Sicher und nehme immer mein eigenes Zeug mit.

Mit „Hands Off Gretel“ spielt Sam in UK mittlerweile in ausverkauften Locations

DAB: Okay, das ist dann wahrscheinlich auch die bessere und vor allem stressfreiere Lösung. Hast du eigentlich irgendwelche Endorsement-Deals?

Sam: Ja, ich bin derzeit bei Stagg Cymbals und der Londoner Drumstick Company für Drumsticks.

DAB: Nice, gerade was die Sticks betrifft. So, jetzt ist es soweit. Um die folgenden Standard-Fragen kommt bei mir keiner drum herum. Was sind deine 3 Alltime-Favorite Lieblingsbands und warum?

Sam: Nun, Nummer 1 sind auf jeden Fall Descendents, denn die sind einfach verdammt großartig, großartiges Songwriting, im Wesentlichen für mich wie eine Art Punkrock-Beatles.

Als zweites dann definitiv   NoFX. Auch hier liebe ich die Herangehensweise an das Songwriting und die Tatsache, dass sie unfassbar einen an der Waffel haben, lässt sie mich noch mehr lieben.

Als drittes käme da Propagandhi. Deren Songwriting ist so anders als das vieler anderer. Und man hört die Leute immer sagen, Punks können nicht spielen, deshalb ist es schön, dass es Propagandhi gibt, die diese Vorstellung definitiv zunichte machen.

DAB: Sehr geile Auswahl! Was sind denn die letzten 3 Alben, die du immer wieder hörst, weil du das Drumming darauf so feierst?

Sam: Also für jeden Drummer meiner Meinung nach, ist Nevermind das Album, zu dem jeder Schlagzeug lernen kann. Es lehrt dich einfach alles was du dafür brauchst. Smoko at the Pet Food Factory von Frenzal Rhomb ist auch so ein Ding. Ich könnte mir das Drumming den ganzen Tag anhören und es würde mich nie langweilen. Und dann definitiv noch Songs for the Deaf von Queens of the Stone Age, der beste Song, um einfach mitzuspielen.

„I want the World“ vom gleichnamigen 2019 veröffentlichten Album

DAB: Ich weiß, dass du genau wie ich ein großer Fan der Descendents bist. Wie bist du denn damals in die Punk/HC-Szene gerutscht?? Was magst du am meisten in dieser Szene und wann war dein erster Kontakt damit?

Sam: Meine erste Begegnung mit Punk fand durch meinen Freund am College statt. Ich ging immer zu ihm und sein Vater hatte alle diese alten seltenen Punk-Vinyls und wir saßen einfach da, tranken Bier und hörten Platten. Ich war wie besessen und ich fing an, so viele der britischen Punk-Bands zu sehen wie es ging. Manche davon spielen ja immer noch, wie UK Subs oder GBH. Auf Festivals hier in England hab ich Anti-Flag, Descendents, NoFX, Bouncing Souls und viele andere großartige US-Skatepunk-Bands gesehen und bin dem einfach völlig verfallen.

Es ist einfach großartige Musik, kein Bullshit und keine Fakes. Ich liebe die Tatsache, dass jeder völlig frei ist und er oder sie selbst sein kann. Wenn du zu einem Punk-Festival gehst, siehst du überall verrückte Farben, verrückte Haare, jeder ist anders und alle umarmen sich. Das kann man über kaum eine andere Art von härterer Musik sagen.

DAB: Da gebe ich dir absolut recht und das hast du ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Punkrock verbindet. Hast du denn irgendwelche Pläne mit Hands Off Gretel wieder in Deutschland zu spielen, sobald die Coronatime vorbei ist?

Sam: Wir werden auf jeden Fall so bald wie möglich wieder in Deutschland spielen. Wir hatten bei euch jedes Mal eine tolle Zeit! Wir werden immer mit offenen Armen begrüßt. Ihr habt eine großartige Szene und euer Bier ist noch besser!

DAB: Haha, ja das Bier-Thema hatten wir ja schon bei eurer Show im Café Glocksee Hannover.

Was würdest du einem 13-jährigen Kind sagen, das Schlagzeug spielen und eine Band gründen möchte oder noch besser – was würdest du heute deinem 13-jährigen Ich sagen?

Sam: Ich würde sagen – Go for it! Hab Spaß an der Musik und versuche so viele Instrumente wie möglich zu lernen, es wird dich für jede Band viel wertvoller machen. Wenn ich heute meinem 13-jährigen Ich etwas sagen könnte, würde ich sagen: Hör auf so viele Pornos zu gucken und geh lieber mehr üben!

DAB: Auch nicht schlecht! Und was war wohl das lustigste, was du als Tour-Schlagzeuger auf der Bühne erlebt hast?

Sam: Die lustigste Erfahrung war für mich ein krasser Reinfall. Es war unser erstes Mal in Deutschland und wir spielten vor einem vollbesetzten Publikum in Stuttgart. Es war das erste Mal, dass wir ein so verrücktes Publikum hatten und der Auftritt war unglaublich. Am Ende der Show dachte ich, ich sollte mal dieses Rock’n’Roll-Ding versuchen und meine Sticks in die Menge werfen. Aber leider hab ich die Dinger einem direkt ins Gesicht geworfen und hab mich direkt wie der größte Trottel gefühlt.

DAB: Vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten. Bleibt alle gesund und lasst euch so bald wie möglich wieder sehen bei uns!

Das erst vor kurzem veröffentlichte Release „The Angry EP“ könnt ihr überall streamen

Das Interview habe ich mit Sam auf Englisch geführt und anschließend übersetzt.

Fotos: Sam Hobbins Facebook

DAB/hmo

Hinterlass eine Antwort

Please enter your comment!
Please enter your name here