Schlagzeug stimmen - Der perfekte Sound
Drums richtig stimmen

Richtig gestimmte Schlagzeug-Felle sind das A und O bei Aufnahmen oder Live-Auftritten. Damit keine störenden Frequenzen auftreten und ein guter und homogener Gesamtsound der Drums erreicht wird ist es unerlässlich, dass sowohl Schlag-, als auch Resonanzfell richtig gestimmt sind. Drums and Beyond erklärt dir, wie du deine Schlagzeug-Felle richtig stimmen kannst und worauf du achten musst.

Als erstes ist es wichtig zu wissen, dass Schlagfell und Resonanzfell aufeinander abgestimmt werden müssen, um den wohligen, bauchigen Klang mit dem schönen Punch zu erreichen, den man von vielen Aufnahmen kennt und gewohnt ist. Hier sei angemerkt, dass es viele unterschiedliche Tipps gibt, wie die Felle gestimmt werden sollten. Der eine Schlagzeuglehrer sagt dies, der Tour-Drummer sagt etwas ganz anderes. Einige grundlegende Basics gibt es allerding in jedem Fall zu beachten. Doch mehr dazu gleich.

Wie entsteht der Klang überhaupt?

Obwohl die Kessel ein breites Frequenzspektrum abbilden, ist es das Ziel, die Trommeln auf eine bestimmte Tonhöhe zu stimmen. In Live-Situationen mag das vernachlässigbar sein, in Aufnahme-Situationen im Studio ermöglicht das aber einen definierten, klaren Sound, der punchy und durchsetzungsfähig ist.

Wichtig ist, dass du dir im Klaren darüber bist, wie die Trommel ihren Sound produziert. Schlägst du auf das Fell, setzt sich eine Luftsäule in Bewegung, die sowohl Schlag-, als auch Resonanzfell in Schwingungen versetzt. Die Klanghöhe wird dabei von der Spannung der Felle, sowie von der Kesseltiefe und Wandstärke bestimmt. Spricht man beim Schlagzeug vom Stimmen, ist gemeinhin die in sich gleichmäßige Spannung der Felle, die Abstimmung von Schlag- und Resonanzfell und die Klanghöhen-Verhältnisse zwischen den einzelnen Trommeln gemeint.

Neben der gleichmäßigen Spannung der Stimmschrauben an den Fellen, ist die Form und Pflege der Kessel wichtig. Je besser deine Kessel und Felle in Schuss sind, desto leichter lassen sich die Drums stimmen und desto definierter ist dein Sound. Die Verbindungsstelle von Kessel und Fell ist dabei einer der wichtigsten Punkte für einen guten Klang. Die sogenannte Fellauflagefläche ist an sich bloß wenige Millimeter breit und dementsprechend empfindlich. Also schau dir zu nächst einmal deine Kessel ohne montiertes Fell an.

Verwende Qualitäts-Felle und pflege die Kessel

Ist die Gratung uneben oder hat Dellen, ist eine gleichmäßige Auflage des Fells nicht möglich, in diesem Fall ist es fast unmöglich akurat zu stimmen. Sind allzu heftige Kerben in der Gratung, kann das Fell zudem Schaden nehmen und unter der Spannung beim Stimmen reißen. Ein Fachmann kann in dem Fall den Kessel nachfräsen und die Auflagenkante gleichmäßig entgraten. Beim Fellwechsel kannst du also gerne gleich mal die Gratung mit einem trockenem Tuch von eventuellen Schmutz und Staub befreien.

Auch die Felle bedürfen einiger Beachtung. Sind deine Felle zu alt, verdreckt oder haben bereits Dellen oder Kerben, montiere am besten gleich neue Felle. Denn nur ein makelloses Fell kann klar schwingen und einen gleichmäßig definierten Klang erzeugen. Die Anschaffung von neuen Schlagzeug-Fellen lohnt sich also definitiv und hier darf auch gerne, oder sollte sogar, auf Markenfelle zurückgegriffen werden.

Die Unterschiede in den Qualitätsklassen der Schlagzeug-Felle sind mitunter so groß, dass aus einem billigen No-Name-Drumset mit Cheapo-Fellen, ein sehr gut klingendes Studio-Drumset gezaubert werden kann, sobald man etwas mehr ausgibt und hochwertige Marken-Felle benutzt.

Schlagzeug immer über Kreuz stimmen – Nie ringsherum

Legt als erstes das Fell auf den Kessel und drückt mit der Faust einmal fest in die Mitte des Felles, damit es sich zentriert. Um eine gleichmäßige Auflage zu bekommen, positioniert das Fell so, dass der Fellreifen überall den gleichen Abstand zum Kessel hat .

Setzt anschließend den Spannreifen auf das Fell und dreht mit der Hand die Schrauben so weit an, bis ihr einen ersten, lockeren Widerstand merkt. Dann sucht euch eine erste Schraube aus, von der ihr beginnt und zieht die Schrauben einzeln nacheinander mit dem Stimmschlüssel um eine halbe Umdrehung fester.

Gleichmäßig anziehen und Falten vermeiden

Zieht dabei nie die Schrauben die direkt nebeneinander liegen an, sondern immer die gegenüberliegende Schraube. Um die Spannung gleichmäßig über das Fell zu verteilen, zieht die immer die Schrauben die gegenüber liegen Schritt für Schritt an und nicht immer die danebenliegende. So verhindert ihr, dass sich Verspannungen und Falten im Fell entwickeln.

Während des Anspannens, kann es zu Knack- und Reißgeräuschen kommen. Das ist normal und sollte euch nicht weiter stören, wenn ihr alle vorigen Schritte so umgesetzt habt. Bevor ihr alle Schrauben aber zu Ende fest zieht, drückt noch einmal fest mit dem Handballen in die Mitte des Felles, um es erneut richtig zu positionieren und Verspannungen zu verhindern.

Drums stimmen – Geduld und Fingerspitzengefühl

Nun kommen wir zum eigentlichen Stimmen der Drums. Als erstes solltet ihr mit dem Stimmen des Resonanzfells starten. Da wir immer nur ein Fell gleichzeitig stimmen wollen und können, legt die Trommel auf einen Teppich oder nehmt sie auf euren Schoß, damit das Schlagfell nicht mitschwingen kann. Jetzt fangt ihr damit an, die Stimmschrauben wie vorher erklärt immer um eine halbe Umdrehung fester zu ziehen.

Achtet dabei wieder darauf, dass ihr immer gegenüberliegende Schraubenpaare anzieht, nie nebeneinander liegende. Schlagt immer wieder mit einem Stick in die Mitte des Felles, um die aktuelle Tonhöhe zu testen und zu prüfen, ob ihr schon im Bereich der gewünschten Tonhöhe seid.

Ruhige Umgebung und genug Zeit

Habt ihr ansatzweise die gewünschte Tonhöhe erreicht, tippt mit dem Stick in etwa 2cm Abstand zur Stimmschraube auf dem Fell entlang. Euch wird auffallen, dass die Tonhöhe an den verschiedenen Schrauben unterschiedlich ist. Was wir erreichen möchten ist, dass einmal rund um den Rand, auf Höhe der Stimmschrauben überall die gleiche Tonhöhe erklingt. Dreht also immer wieder in halben Umdrehungen an den jeweiligen Schrauben, bis alles gleich klingt.

Dreht nicht immer alle Schrauben höher sondern dreht auch mal eine etwas herunter, sonst stimmt ihr die ganze Trommel am Ende zu hoch. Hier ist etwas Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Der Aufwand lohnt sich aber allemal. Achtet darauf, dass ihr das in einer ruhigen Umgebung macht, sonst kann der Stimm-Prozess schnell nervig werden.

Finde den richtigen Klang

Als nächsten Schritt solltet ihr Schlag- und Resonanzfell aufeinander abstimmen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten und jeder Drummer hat da seine eigenen Vorlieben. Probiert einfach aus, was für euch am besten passt. Im Studio kann eine andere Stimmung besser sein, als in einer Live-Situation. Nehmt euch Zeit und testet.

  • Stimmt ihr das Schlagfell und das Resonanzfell auf gleiche Höhe, erhaltet ihr die größte Lautstärke, das meiste Volumen und Sustain.
  • Ist das Schlagfell höher gestimmt, erhaltet ihr einen deutlichen Sound mit abfallendem Ton.
  • Stimmt ihr das Resonanzfell höher, erhaltet ihr knackige Attacksounds.

Egal für welche Möglichkeit ihr euch entscheidet, prüft immer wieder zwischendurch die Stimmigkeit der Felle.

Bestimmt den Grundton der Band

Als letzten Schritt solltet ihr alle Trommeln klanglich aufeinander abstimmen. Hier gibt es keine festen Regeln, es bestimmt allein euer eigener Geschmack. Generell werden die Drums zwar nicht auf eine bestimmte Tonlage oder Tonhöhe gestimmt, allerdings werden manchmal gerade für Studiozwecke die Drums auf den Grundton der Gitarre gestimmt.

Spielt eure Band also eine Standard-E, Standard-D oder eine Drop-Stimmung, kann hier die tiefste Tom auf den Grundton, beispielsweise Drop C oder D gestimmt werden. Lasst einen Gitarristen einfach seine erste Seite offen und clean anspielen und ausklingen. Geht mit dem Ohr nah an die tiefste Tom heran und versucht, die Tonhöhe der Tom auf den Ton abzustimmen. Ist der Ton zu tief für euch, lasst den Gitarristen den Ton in der nächsthöheren Oktave anspielen. 

Schlagzeug stimmen – Von tief nach hoch

Aufbauend auf der tiefsten Tom, arbeitet ihr euch bis zur höchsten Tom vor. Die Snare lässt sich tonal am besten auf die Gitarre abstimmen, wenn der Snare-Teppich angehoben wird. Achtet auch darauf, dass die Toms nicht bloß vom Soundcharakter sondern auch melodisch zu untereinander passen und dass jede Trommel ihren eigenen Stimmbereich hat, in dem sie am besten klingt. Nach Möglichkeit, nutzt Toms in den Größen 10“, 12“, 14“ und 16“, da diese den gleichen Tonhöhenabstand zueinander haben. So erhaltet ihr im Ganzen einen homogenen Gesamtsound des Schlagzeugs.

Um unerwünschte Obertöne in den Griff zu bekommen, könnt ihr zusätzlich zum Stimmen der Trommeln mit Moongel-Pads experimentieren. Platziert einfach ein Stück Moongel auf einer bestimmten Stelle des Schlagfells. Gefällt euch der Klang noch nicht, positioniert das Moongel so lange um, bis euch der Klang gefällt und ihr merkt, das störende Obertöne nicht mehr auftreten.

Fazit

Um wirklich den besten und für euch passendsten Gesamtsound zu bekommen, mit dem ihr langfristig zufrieden seid, müsst ihr viel und lange herumprobieren. Vor Studioaufnahmen haben wir auch schon erlebt, dass 1,5 Tage der gebuchten Studiozeit alleine für das Stimmen des Schlagzeugs und das Auswählen der klanglich passenden Felle drauf gegangen sind. Dem Klang nützt es in jedem Fall. Nehmt euch die Zeit um herauszufinden, was euer Wunschklang ist und wie ihr ihn mit eurem speziellen Set erreicht. Die Mühe lohnt sich.

DAB/hmo

2 KOMMENTARE

  1. Richtig gut geschrieben und sehr verständlich erklärt, hat mir super geholfen, meinen Sound zu verbessern! 👍👍

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