Interview mit Tim Bremer von Brothers in Arms
Tim Bremer, Drummer von Brothers in Arms, bei Drums and Beyond im exklusive Interview.

An dieser Stelle möchten wir euch Tim Bremer vorstellen. Seines Zeichens Drummer der Hardcore-Band Brothers in Arms. Wir haben Tim diverse Löcher in den Bauch gefragt, die er gewissenhaft für uns beantwortet hat. Tim hat viele Jahre Erfahrung als aktiver Live-Drummer und im Drums and Beyond-Interview lässt er uns (und euch) hinter die Kessel gucken.

DAB: Hi Tim, freut mich das du Zeit für uns hast. Du bist der erste Drummer in unserer „Drummer wie du und ich“ Interview-Serie. Erzähl doch mal was von dir. Wer bist du, wie alt bist du?

Tim: Hi, ich bin Tim Bremer und bin 36 Jahre alt.

DAB: Seit wann spielst du Schlagzeug?

Tim: Ca. seit meinem vierzehnten Lebensjahr, also seit etwa 22 Jahren.

DAB: Hattest du Unterricht? Wenn ja, wie lange insgesamt?

Tim: Ja hatte ich. Wie lange genau, kann ich gar nicht sagen. Ein paar Jahre.

Hauptsächlich habe ich Zuhause geübt. Das sah dann meistens aber eher so aus, dass ich mir irgendwas auf die Kopfhörer gegeben habe und nachgespielt habe. Dabei habe ich mir dann verschiedene Techniken angeeignet. Ich habe damals viel zu Bands wie Incubus und Biohazard, aber auch sehr viel zu Hip Hop geübt. Das war dann auch gleich der Einstieg zum Hardcore.

DAB: Hast du immer noch Unterricht?

Tim: Nein, ich verlor relativ schnell das Interesse daran, Dinge nach Schlagzeugnoten zu spielen oder z.B. immer krassere Techniker zu lernen. Ich muss nicht unbedingt die oberkrassen Fills und Techniken beherrschen. Wichtiger ist mir ein solides, tightes Drumming und nicht immer zeigen zu müssen wie „krass“ ich spielen kann.

DAB: Du spielst in der Band „Brothers in Arms“, in wie fern bist du als Drummer im Songwriting-Prozess involviert?

Tim: Ich bin vor ca. 2 Jahren bei Brothers in Arms eingestiegen und habe sie quasi wieder mit aufgebbaut nachdem ich jahrelang Fan dieser Band war. Am Anfang war es für mich also eher wie covern. Das Songwriting läuft hier meistens so ab, dass die Ideen vom Gitarristen kommen und wir uns dann beim ihm regelmäßig im Studio zusammensetzen und an den Songs rumschrauben.

Bei anderen Bands in der Vergangenheit war es das klassische „im Proberaum jammen und dabei Songs entstehen lassen“.

DAB: Übst du nur 1x die Woche mit der Band im Proberaum oder übst du auch zu Hause?

Tim: Wir proben sehr unregelmäßig und nur Showorientiert. Die Bandmitglieder wohnen zwischen Hannover, Hamburg und Bremen so verstreut, dass jeder Zuhause übt und erst wenn Bedarf ist, auch geprobt wird. Ich habe einen Proberaum um akustisch üben zu können und zusätzlich Zuhause ein E-Drum mit dem ich auch die Möglichkeit habe direkt Drumspuren via PC / Cubase / Superior Drummer aufzunehmen.

Zum Thema üben kann ich nur sagen, dass ich eigentlich noch nie richtig lange Übungssessions gemacht habe um mir irgendeine Technik anzueignen. Wenn ich übe, dann spiele ich oft irgendwas nach, lege es mir auf die Kopfhörer oder. Wie gesagt, Klickfest sein und tight spielen ist mir wichtiger.

DAB: Spielst du nur in einer Band oder in mehreren gleichzeitig?

Tim: Ich spiele zur Zeit noch in einer lokalen Metalcoreband. Mir hat dann doch irgendwann das regelmäßige Proben gefehlt. Also ja, in mehreren und wir proben auch regelmäßig.  Auch immer gerne mal zum jammen mit anderen Leuten. Falls jemand Bock hat, meldet euch!

DAB: Können andere Bands dich als Tour-Drummer buchen oder springst du ein, wenn woanders ein Drummer fehlt?

Tim: Ja das ist möglich. Ich habe die Möglichkeit Songs Zuhause zu üben, habe was sowas angeht eine hohe Auffassungsgabe und kann gehörtes schnell umsetzen.  Entfernungen spielen dabei gar keine Rolle. Für eine Tour oder Show die sich „lohnt“ würde ich auch sehr weite Strecken zurücklegen.

DAB: Bei euren Aufnahmen klingen die Drums sehr fett und on-point. Habt ihr die Drums getriggert und durch Samples ersetzt?

Tim: Bei unseren neuesten EP „Brothers In Arms“ sind die Drums sogar komplett programmiert. In den meisten Studios werden beim Hardcore eh Trigger eingesetzt und wir waren zu dem Zeitpunkt unter starkem Zeitdruck. Mir ist es bei sowas immer sehr wichtig, dass nur Sachen programmiert werden die man später auch wirklich spielen kann.

Eine Akustische Aufnahme muss wirklich gut gemacht sein und kostet sehr viel Zeit und Geld. Ich bin da kein Fan von halben Sachen und greife deshalb aus Soundgründen ganz gerne auf die digitale Lösung zurück. Ja ich weiß, untrue und so… Eins soll dazu noch gesagt sein: Auch das Programmieren muss man können um die nötige Dynamik hinzubekommen und es nicht komplett künstlich klingen zu lassen.

Ich habe aber auch schon viele Studiosessions hinter mir und wenn die Zeit und das nötige Kleingeld vorhanden ist, würde ich diese Variante auch immer bevorzugen.

Z.B. die EP „Long Way Home“ meiner alten Band „ Tomorrow Never Knows“ haben wir  komplett eingespielt und auch nicht getriggert. Sich 5 Tage lang mit der Band im Studio einzuschließen war definitiv eine gute Erfahrung.

DAB: Wie stehst du generell zum Thema Samples und getriggerten Drums?

Tim: Live bin ich absolut gegen getriggerte Drums. Ich möchte jederzeit in der Lage sein zu spielen. Egal ob es auf einer großen Bühne ist, oder eine kleine ranzige Floorshow.

DAB: Nutzt du ein Hybrides-Set mit Sample Pad für Effekte oder Bass-Drops?

Tim: Wir setzen bei Shows für Skits und Intros einen Sampler ein der allerdings vom Gitarristen bedient wird.

DAB: Was für ein Set spielst du und warum?

Tim: Ich bin als Artist bei DR Customs und liebe diese Sets. Vor ein paar Jahren habe ich den Weg zu den kleineren Customschmieden gefunden. Vorher hatte ich ein Sonor S-Classix.

Mein Set heißt „Rusty“ und hat als Lackierung eine Echtrost-Beschichtung. Das ist eine Beschichtung die über einen längeren Zeitraum reagieren muss und tatsächlich rostet. Die Kesselgrößen sind 22“ x 18“ Bass Drum, 12“x 8“ Tom, 16“ x 16“ Standtom. Als Snare spiele ich die 14“ x 6,5“ DR Customs „Glory Warrior“.

Ich finde, dass gerade diese kleinen Schmieden so viel Liebe in ihre Sets stecken wie man sie niemals bei den Sets von der Stange bekommen würde. Sound und Qualität und auch der Preis steht den großen Herstellern da in nichts nach. Ich spiele dieses Set also wirklich aus Überzeugung.

Der persönliche Kontakt zum Hersteller vor und während der Fertigung ist schon ziemlich nerdig, macht aber auch wahnsinnig viel Spaß. Ich kann jedem nur empfehlen es mal auszuprobieren. Ein eigenes Set, so wie man es sich wünscht zu haben, ist schon ziemlich cool.

DAB: Welche Becken spielst du aktuell?

Tim: 18“ Paiste 2002 Crash,  22“  Paiste Sound Formula Ride, 16“ Zidjian K 16“ Dark Thin Crash, Zidjian K 16“ China, 14” Hihat Paiste 802

DAB: Welche Felle?

Tim: Seit neuestem Evans Emad auf der Bass Drum, Toms und Snare Evans Level 900. Vorher Remo Pin Stripe.

DAB: Was war dein erstes Schlagzeug?

Tim: Ein Premier Cabria mit einer 20“ Bass Drum. Ich habe dieses Set heute noch und nutze es als Zweitset. Ist schon ganz gut ranzig, bockt aber immer noch.

DAB: Wie bist du zum Drumming gekommen?

Tim: Ich hatte als Kind Keyboardunterricht und in meiner ersten Band wurde kein Keyboarder gebraucht. Dafür stand im Proberaum ein Schlagzeug zu dem der Bediener fehlte. Der Raum war damals tatsächlich mein Kinderzimmer und das Schlagzeug gehörte meinem Bruder. Der hatte aber zwischenzeitlich aufgehört Schlagzeug zu spielen. Ich habe es dann einfach mal ausprobiert und irgendwie haben die grundlegenden Dinge sofort funktioniert.

An dieser Stelle muss ich definitiv auch mal meine Großeltern und erst recht meinen Opa erwähnen. Ohne ihn würde ich heute wohl nicht mehr Schlagzeug spielen. Ich konnte in deren Keller üben. Was sie damals „ertragen“ haben wurde mir erst sehr viel später klar. Auch als es darum ging mein erstes Set zu kaufen war mein Opa immer mit dabei und hat mich unterstützt! Danke Opi!

In meinem Leben gab es schon immer Musik. Meine Mutter war früher Musikalienhändlerin und konnte selber auch gut Klavier spielen. Irgendein Instrument hatte ich als Kind also immer irgendwie um mich herum.

DAB: Wie bist du zum Hardcore gekommen?

Tim: Meine erste Band war eine Nu Metal Band und gründete sich genau zu der Zeit als Korn, Slipknot, Limp Bizkit und co. gerade groß wurden. So ging die Reise dann irgendwann auch in Richtung Hardcore.

DAB: Was bedeutet Hardcore für dich?

Tim: Hardcore ist für mich nicht nur die Musik. Wenn man ein paar Jahre im Underground unterwegs ist, kennt man sich untereinander. Ich liebe diese Szene. Das gesamte Drumherum bei den Shows. Das abhängen mit Freunden, Backstage, Merchverkauf usw.

Außerdem bedeutet Hardcore für mich auch antifaschistische und gesellschaftskritische Botschaften zu verbreiten. Hardcore ist für mich ganz klar linksgerichtet. Nazis und andere Faschisten haben in diesem Genre und auf meinen Shows absolut nichts verloren.

DAB: Hast du vorher schon andere Genres gespielt?

Tim: Ja, ich habe schon fast alles gemacht. Hardcore/Metal, Pop und einmal war ich sogar Schlagzeuger bei einem kleineren Musical. Ein kleiner Traum von mir wäre noch eine richtige Hip Hop Band.

DAB: Was ist für dich das Hauptmerkmal am Hardcore-Drumming? Worauf kommt es dir stilistisch an?

Tim: Allgemein muss das Drumming bei härteren Genres kraftvoll sein. Tight und auf den Punkt. Beim Hardcore gerne schnörkellos. Es muss grooven und untenrum ordentlich drücken. Ich bekomme ne Krise bei Schlagzeugern die ihr Set nur streicheln. Bei der Snare geht ohne Rimshot in diesen Genres nichts.

DAB: Welche sind deine Lieblings-Drummer?

Tim: Einen Lieblingsdrummer habe ich nicht. Ich mag es wenn es grooved. Drummer bei denen ich aktuell Spaß habe zuzugucken sind beispielsweise Jay Scott von Lionheart und Craig Reynolds von Stray From The Path. Starken Einfluss auf meinen Stil hatte die Band und das Drumming von Biohazard.

DAB: Wie lange hast du gebraucht um beim Spielen bei aller Konzentration ein „Bühnengesicht“ aufzulegen und das Publikum zu entertainen?

Tim: Nicht lange. Es hängt aber auch immer stark von den Shows ab. Am ehesten reißen mich die ganz kleinen Clubshows mit. Es ist zwar cool auf einer größeren Bühne zu spielen, aber es geht absolut nichts über eine kleine, barrierefreie Floorshow. Am liebsten mitten im Publikum. Dabei ist eigentlich egal ob 500 oder 5 Leute im Publikum stehen.

DAB: Wie oft probst oder übst du in der Woche an den Drums?

Tim: Sehr unregelmäßig. Es kann vorkommen, dass ich 3-4 Mal pro Woche spiele. Es Kann aber auch mal passieren, dass ich 1-2 Monate gar nichts mache.

DAB: Wie lange hast du gebraucht um auf dein heutiges Skill-Level zu kommen?

Tim: Skill Level? Habe ich sowas? Ich werde von anderen oft als solider Drummer bezeichnet. Bin Klickfest und kann mich schnell auf Songs einstellen und lernen wenn die Songs meinem Können entsprechen. Abgefahrene Techniken beherrsche ich nicht wirklich und brauche ich auch nicht. Komme ich an einem Punkt nicht weiter packt mich manchmal  der Ehrgeiz und ich eigne mir bestimmte Dinge an. Viel weiter als RLRRLRLL und ein paar Hand/Bass Drum Kombinationen geht es eigentlich nicht. Ja, das ist dann wohl mein „Skill“.

DAB: Was war das schlimmste, was dir jemals live als Drummer passiert ist?

Tim: Was auf Tour passiert, bleibt auch auf Tour..

DAB: Hast du von einem Hersteller einen Endorsement-Deal und wie bist du dazu gekommen?

Tim: Ja, ich bin als Artist bei DR Customs. Liebe Grüße an Dominik und sein geniales Team an dieser Stelle!

Ich hatte vorher schon einen Deal bei einem anderen Hersteller, besaß da aber nie ein komplettes Set. Ich war auf der Suche nach einem neuen Set und hatte mich daran erinnert, mal auf einem DR Customs Set gespielt zu haben. Ich war sofort begeistert. Ich habe mich dann im Prinzip beworben indem ich mich dort vorgestellt habe.

DAB: Wie läuft so ein Endorsement-Deal ab? Was bekommst du und was musst du dafür tun?

Tim: Es ist hauptsächlich der gegenseitige Support der cool ist. Ich habe jetzt keinen Deal oder so wo ich etwas bekomme, wenn ich etwas verkaufe oder vermittelt habe. Je nachdem wie weit die eigene Reichweite ist, bekommt man Nachlässe auf die Sets. So läuft das ja aber bei jedem Artist Deal ab. Letztendlich kann man nur voneinander profitieren.  Man erhöht ja die Gegenseitige Reichweite und was mir wichtig ist, man supported kleine coole Firmen, bzw. supporten die Firmen dann eben auch die Bands.

DAB: Bist du auch so einer, der immer und überall mit den Füßen wippt oder irgendwo drauf rum haut?

Tim: Jeder Gegenstand hat seinen ganz eigenen Sound. Es ist theoretisch möglich aus 1 m² Fußboden in Kombination mit den Knien oder einem Tisch ein komplettes Drumset zu simulieren.

DAB: Hast du eine klassische, musikalische Ausbildung?

Tim: Nein.

DAB: Welche Art von Monitoring ist dir live am liebsten? Wedges oder In-Ear?

Tim: Am liebsten hätte ich direkt neben mir eine komplette PA. Ich muss den Scheiß fühlen können!

DAB: Wie gehst du mit Monitoring im Proberaum um?

Tim: Es gibt eine PA die den Gesang verstärkt und neben mir eine Monitorbox. Alles andere ist laut genug, dass kein Monitoring benötigt wird.

DAB: Vielen Dank dass du mitgemacht hast und unsere Fragen beantwortet hast.

Wenn ihr die Möglichkeit habt Tim und sein DR Customs-Set „Rusty“ mit Brothers in Arms einmal live zu sehen, nutzt die Chance!

Hier könnt ihr Brothers in Arms in Action sehen und natürlich auch weiter verfolgen:

Spotify / Facebook

Die Drum-Schmiede „DRcustoms“ erreicht ihr hier.

DAB/hmo

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